Social Media, Multimedia, Freiburger Media

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Ihr Lieben. Einiges ist passiert, seitdem ich hier geschrieben habe. Vieles davon ist uninteressant: ich habe Referate gehalten, Texte geschrieben, literweise Tee getrunken und lange in der Bib gesessen. Drei Dinge möchte ich dennoch erwähnen.

Mes chers. (On m’a dit que ça se fait pas, seulement si je suis une petite vieille, mais que c’est mignon, alors voilà: mes chers.) Beaucoup de choses se sont passées, la plupart ne sont pas très intéressantesb: j’ai fait des exposés, rédigé des textes, bu plusieurs litres de thé et passé des heures dans la BU. Mais j’ai quand-même trois choses à vous raconter.

Ich habe inzwischen eine Facebook-Page. Sie heißt ThePlus und war eigentlich nur ein Teil eines Social Media-Projekts für den gleichnamigen Kurs. Aber wir haben so viel Arbeit hineingesteckt, dass wir einfach weitermachen wollten. Mindestens einmal pro Woche versuchen wir einfach mal gute Nachrichten zu verbreiten – tolle Initiativen, aufmunternde Alltagssituation, Ideen, auf die sonst keiner kommt. Das ganze auf Deutsch und Französisch.

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J’ai maintenant une page Facebook. Elle s’appelle ThePlus et faisait en fait partie d’un projet pour mon cours sur les réseaux sociaux. Au final on a mis beaucoup de travail dedans, alors on a décidé de continuer. Au moins une fois par semaine on essaie de partager des pensées et des nouvelles positives – des projets intéressants, des belles histoires de la vie quotidienne, des idées que personne n’a eu jusque là. Tout ça en français et en allemand.

Wir recherchieren im Studiengang fleißig zum Projekt Eucor. Die fünf Universitäten der Oberrhein-Region – also Strasbourg, Mulhouse/Colmar, Karlsruhe, Freiburg und Basel – haben sich in Eucor zsammengeschlossen, um gemeinsam Studienangebote zu schaffen. Man kann dabei entweder durch die “freie Mobilität” während eines Semesters einen oder mehrere Kurse an einer anderen Uni belegen und dorthin pendeln. Oder, wie in meinem Studiengang, der auch zu Eucor gehört, einen Doppelabschluss erwerben. Das ganze klingt erstmal cool, aber tatsächlich hakt es an allen Ecken und Enden: ECTS-Punkte können nicht angerechnet werden, Fahrkarten werden nur an bestimmten Orten verkauft und manchmal scheitert es schon allein an der Zeit, die für’s Pendeln gebraucht wird.  Auch darum soll es in der von uns verfassten Beilage gehen, die im April in der Zeitschrift uni’leben erscheinen soll – dazu im Frühjahr mehr.

Dans le cadre du M1, on fait des recherches sur le projet Eucor: cinq universités de la région du Rhin supérieur se sont regroupées, pour en faire une coopération transfrontalière: Strasbourg, Mulhouse/Colmar (Haute-Alsace), Karlsruhe, Fribourg et Bâle. Les étudiants de ces villes peuvent soit faire la navette une fois par semaine pour suivre un cours ou même plusieurs à une autre fac. Eucor appelle cela un parcours “à la carte”. Ou sinon, comme moi, ils peuvent faire leurs études dans deux pays en même temps et obtenir un double ou triple diplôme. Tout ça a l’air bien cool, par contre il y a quand-même plein de choses qui ne vont pas: les crédits qui ne sont pas comptés, les billets de train qui se vendent seulement à un endroit spécifique sur la route ou tout simplement le temps perdu pour aller d’une ville à une autre. Cela sera une des nombreuses histoires super intéressantes qui seront publiées dans notre supplément du journal uni’leben qui sortira en avril.

Außerdem ist heute unsere Multimedia-Reportage fertig geworden. Mit zwei Studienkolleginnen haben wir einfach mal zugehört und in einer interaktiven Kart einen kleinen audiovisuellen Spaziergang in Freiburg erstellt. Ich habe Geräusche von Schweinen aufgenommen, das Rascheln von Laub, ein klapperndes Riesenrad, das Freiburger Bächle und die Dreisam, Straßenlärm, Friedhofsstille, Steinschneider, Alemannisch und noch viel mehr, alles mit folgender Frage: “Wie klingt eigentlich Freiburg?” Außerdem habe ich mich mit Pfarrerin Irene Leicht und Freiburger Lokalvereinsmitglied Christian Himmelsbach unterhalten. Beide haben mir von zwei sehr gegensätzlichen Seiten Freiburgs erzählt: Stille und Lärm. Die anderen Geschichten und unsere Antwort darauf, wie Freiburg denn nun klingt, könnt ihr in der vollständigen Reportage lesen. Wer nur in der Karte stöbern möchte, braucht nur einen Absatz weiter unten zu suchen. Einfach einen Ort auswählen, auf das Bild klicken und lauschen.

Sinon, on vient de publier notre reportage multimédia. Avec deux filles de ma promo, on a écouté ce qui se passait autour de nous ces dernières semaines. Tout ce qu’on a entendu a été rassemblé dans une carte interactive. J’ai enregistré des cochons, le feuillage frémissant, une grande roue au marché de Noël, le Bächle du Fribourg et la rivière Dreisam, le bruit des voitures, le calme du cimetière, le dialecte de la région et beaucoup d’autres sons pour répondre à la question “Comment sonne Fribourg en fait ?” J’ai aussi parlé avec la pasteure Irene Leicht et Christian Himmelsbach qui est membre de l’association de citoyens à Fribourg. Ils m’ont parlé de deux côtés très différents de Fribourg : le silence et le bruit. Pour ceux qui comprennent l’allemand, vous pouvez trouver le reportage ici et ces deux histoires en bas.  Sinon, même pour ceux qui ne le parlent pas, voici la carte: choisissez un endroit, ignorez la description allemande et cliquez sur l’image pour entendre des impressions de Fribourg.


Der Lärm als ständiger Begleiter

Es ist ein Sonntagnachmittag, erstaunlich warm für Dezember. Auf dem Augustinerplatz herrscht reges Treiben, alle Plätze auf den Terrassen der Cafés sind besetzt. Man hört Schweizer, Deutsche und Franzosen durcheinander reden, Kinder hüpfen die Treppenstufen hinunter. Auf der anderen Seite der Kaiser-Joseph-Straße drängeln sich die Menschen durch den Weihnachtsmarkt, aber hier herrscht Ruhe. Das ist leider nicht immer so – zumindest nicht für die Freiburger, die rund um den Augustinerplatz wohnen. Der Platz ist sehr beliebt, vor allem im Sommer. Dann scheint dort lange die Sonne, die Treppenstufen laden ein, zu verweilen. Doch auch wenn die Sonne schon lange weg ist, bleiben viele noch da. Der Lärmpegel steigt an – bei dem einem oder anderem auch der Alkoholpegel.

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Christian Himmelsbach vom Lokalverein (Foto: Theresa Steudel)

Christian Himmelsbach hat die Arme verschränkt, sitzt zurückgelehnt auf seinem Stuhl. Er leitet ein Reinigungsunternehmen in der Gerberau und ist stellvertretender Vorsitzender beim Lokalverein Innenstadt. Man sieht ihm den Unmut über die Lage an, denn der Kampf gegen den Lärm in der Innenstadt dauert schon Jahre. Voranzukommen scheint man nicht so wirklich, zumindest nicht seitens der Anwohner. Himmelsbach erklärt die Lage auf dem Augustinerplatz: „Einerseits wohnen Menschen hier. Auf der anderen Seite benutzen viele den Platz, um sich zu treffen, um zu feiern. Beides ist in Ordnung. Wer in der Innenstadt wohnt, ruft nicht ab 22 Uhr die Polizei, vielleicht aber ab 1 Uhr nachts.“ Der Augustinerplatz sei ein beliebter Treffpunkt, und das zu Recht. Problematisch seien viel mehr die Wenigen, die keine Rücksicht auf die Nachtruhe nehmen würden. „Von den 500, die da sitzen, sind das vielleicht 30 oder 40.“ Da würde auch die „Säule der Toleranz“ nicht weiterhelfen – 2009 auf dem Platz installiert, leuchtet diese ab 22 Uhr zunächst grün und später rot, ein Hinweis darauf, dass bald Stille einkehren soll. Für die Säule ist Freiburg zwar deutschlandweit bekannt geworden, für Ruhe gesorgt hat sie trotzdem nicht. Eine andere Problemzone sei das Bermudadreieck, an dem sich die Bars und damit auch der Lärm konzentrieren.

„Die Stadt ignoriert das. Die weiß, was die Schwierigkeiten sind. Aber die Mehrheit der Gemeinderäte sieht die Probleme der Bewohner nicht und findet das Feiern in Ordnung. Das ist ein sehr kurzfristiges Denken“, meint Himmelsbach ruhig, wie jemand, der das schon viel zu oft gesagt hat. Denn die Freiburger Innenstadt sei doch gerade deshalb attraktiv, weil sie „nicht nur Kulisse“ wäre, sondern auch bewohnt.

Tatsächlich gab es mehrere Versuche, gegen den Lärm in der Innenstadt vorzugehen. 2013 hatte der Gemeinderat die Einführung eines Kommunalen Ordnungsdiensts beschlossen – ein Modell, das im darauffolgenden Jahr wieder kippte. Die Kommunalwahl hatte die Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat verschoben und der neue Rat lehnte das Konzept Ende 2014 schließlich ab. Der KOD hätte die Polizei in ihrer Arbeit unterstützen können. So aber sei nicht genug Personal vorhanden. An erster Stelle stünden Einsätze wegen Straftaten und Gewaltakten, erst dann würden die Ruhestörungen folgen. Anfang 2015 schlug man seitens der Stadt eine Alternative vor: Lärmkontrolleure, die in die Kneipen geschickt werden sollen. Der Lokalverein jedoch zeigte sich mit dieser Entscheidung unzufrieden, da nur eine einzige Stelle für das gesamte Freiburger Stadtgebiet geschaffen wurde.

Im Verein hat man ebenfalls Ideen: ein Gaststättenkonzept, das durchgreift. Nur wenige Lokale würden gegen die bereits auferlegten Bestimmungen verstoßen, zum Beispiel durch geöffnete Fenster oder einfachen statt doppelten Türen. Die Stadt allerdings wäre nicht bereit, ordentlich zu kontrollieren. Außerdem wünscht man sich, Anwohner und Feierlustige besser aneinander vorbeizuführen. Das funktioniere jedoch nicht, wenn Bars und Gaststätten dort eröffnet würden, wo bereits viele Leute wohnen. „Es gibt Standorte, die sind einfach ungeeignet“, so Himmelbach. Ein Planungskonzept könnte klarmachen, wo sich Schwerpunkte zum Wohnen befinden. Und weiterhin sei es nötig, die Befugnisse des Freiburger Gemeindevollzugsdiensts auszuweiten. Beim KOD-Konzept von 2013 waren 18 Ordnungskräfte vorgesehen, Himmelsbach hält diese Zahl für unnötig. „Wir hatten damals vier oder fünf Mann vorgeschlagen.“ Ein solcher Dienst steht in der Kritik, vor allem bei der jungen Bevölkerung. Doch es ginge dem Lokalverein nicht darum, „Spaßbremsen“ loszuschicken, auch wenn das so dargestellt worden wäre.

Kleine Erfolge konnte man trotzdem verzeichnen. In der Schiffstraße und in der Gartenstraße meldeten sich Gaststätten, versuchten sich den Forderungen der Bewohner anzupassen. Auch in der Sedanstraße würde es inzwischen Absprachen zwischen Anwohnern und Ämtern geben. Am Schwierigsten sei es, einem Außenstehenden die Belastung zu erklären, meint Himmelsbach zum Schluss. „Wenn ich Besucher hier habe, fragen die mich, hast du das wirklich jede Nacht? Das muss man erleben.“

Stille muss man lernen

Ein Krankenwagen rattert durch die Straße, die Sirene heult, Autos halten an. Fußgänger sehen dem Blaulicht kurz hinterher. Nur wenige Meter vom St. Josefskrankenhaus entfernt ist der Anblick von Krankenwägen nichts Besonderes. Die Sirene hallt noch immer nach, als die Autofahrer den Motor wieder starten und die Karlsstraße weiter entlangfahren, man hört: ganz normalen Straßenlärm. Aber schon wenn man in die nächste Seitengasse einbiegt und sich den Mauern des Alten Friedhofs nähert, rücken die Geräusche in den Hintergrund. Statt quietschenden Reifen vernimmt man das Zwitschern der Vögel, die Kieselsteine, die unter den Füßen knacken.

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Pfarrerin Irene Leicht (Foto: Theresa Steudel)

Nicht umsonst haben Pfarrerin Irene Leicht und ihr Team den Alten Friedhof in Freiburg als einen der „Orte der Stille“ ausgewählt. Mitte Oktober stellten sie ihn zusammen mit vielen anderen bei der „Woche der Stille“ in Freiburg vor, inspiriert von einer gleichnamigen Aktion in Frankfurt. Mehr als tausend Freiburger beteiligten sich laut Leicht: bei Meditationen, einem Silent Dinner und einer stillschweigenden Straßenbahnfahrt durch Freiburg, bei Lesungen, Konzerten und Schulungen. Noch weit mehr Gruppen stellten ihre ganz eigenen Aktionen auf die Beine – alle mit dem Ziel, Stille in der Stadt zu erfahren.

Irene Leicht ist in Freiburg für die Stadtkirchenarbeit der Evangelischen Kirche zuständig. Sie war überrascht von der großen Resonanz, sieht darin aber auch einen Bedarf der Freiburger: „Dass gerade in der Stadt viele Menschen unter Lärm leiden, legt nahe, Räume der Stille neu zu entdecken und zur Ruhe zu kommen.“ Wichtig sei nicht nur, solche Räume zu finden, sondern sie auch kreieren zu können. Deshalb hatte man bereits im Juli einen Workshop für Erzieher und Lehrer angeboten, um sich intensiver mit der Stille in Schulen und Kindertagesstätten auseinanderzusetzen: „Wie ist es, wenn wir ganz still werden, unseren Körper spüren, was geht uns dann durch den Kopf? Das sind eher elementare Wahrnehmungsangebote, die aber wichtig sind.“ Auch um besser zuhören und kommunizieren zu können, bräuchte man ein eigenes inneres Schweigen.

Das zu lernen sei durchaus eine Haltungsfrage. „Stille ist nicht, was ich eine halbe Stunde lang auf meinem Kissen suche. Sie ist eigentlich immer da.“ Man müsse sich darauf einlassen können. „Das ist in Freiburg aber auch nicht schwer“, meint Leicht und lacht dabei. Die grüne Einstellung der Stadt habe ebenfalls viel mit Ruhe und Sanftheit zu tun. Wohl ein Grund, weshalb die Freiburger dem Thema gegenüber aufgeschlossen zu sein scheinen.

Nicht nur in Freiburg ist Stille ein Thema. Irene Leicht zieht die Schultern nach oben und runzelt ein wenig die Stirn: „Das ist im Moment natürlich extrem aktuell im Hinblick auf den Syrien-Konflikt, nicht immer gleich zu den Waffen greifen.“ Das Gegenteil von Stille: Lärm. Ein Wort, das aus Alarm entstand, welches wiederum aus dem Italienischen kommt: all’arme, „zu den Waffen“. Für Leicht symbolisiert Stille deshalb auch immer Frieden. Und dennoch sei sie etwas sehr ambivalentes. Sie stehe für Angst, für Totenstille, Unsicherheit, Schweigen. Wer kennt es nicht, wenn sich nachts im Bett vor allem die negativen Gedanken in der Stille ausbreiten. Aber das gehört für Leicht dazu: „So ist das Leben. Es ist bedrohlich, aber man muss lernen, wie man damit umgehen kann. Stille ist eben kein reines Wohlfühlprogramm.“

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